Der in Deutschland herrschende Fach- & Führungskräftemangel schadet auch dem Mittelstand. Knapp ein Drittel aller Personalverantwortlichen sollen laut einer neuen Studie den Fachkräftemangel bereits spüren. Besonders in ländlichen Gebieten stehen die Personalverantwortlichen oft vor kaum lösbaren Problemen.

Der demographische Wandel sorgt dafür, dass die Bewerberzahlen rückläufig sind, die Urbanisierung zieht die jungen Leute weg von der Heimat in die Stadt. Dort kommen sie meist unter die Fittiche von großen Konzernen und die wenigsten möchten zurück aufs Land. Zum Leid der KMUs. Diese produzieren meist hochinnovative Produkte, finden in letzter Zeit aber kaum noch Nachwuchs, der diese entwickeln möchte.

Und das alles obwohl der TOP-Standortfaktor Deutschlands seine Fachkräfte sind. Nichts zeichnet uns nach außen hin mehr aus als das fundierte Wissen & Können unserer Fach- & Führungskräfte. 29,4 Milliarden Euro soll die Summe der Umsatzeinbußen bzw nicht realisierten Umsätze aufgrund des Fachkräftemangels im deutschen Mittelstand betragen.

Doch wie dagegen vorgehen? Um Lösungen zu finden, sollte man die Bedürfnisse und Wünsche der jungen Leute genauer betrachten: Laut einer Studie wollen 73% der befragten Studenten eine funktionierende Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zudem wird ein „sicherer Arbeitsplatz“, also möglichst unbefristet und ohne Risiken, gewünscht. Doch die Jobbedingungen nach diesen Wünschen zu modifizieren reicht nicht: Viele der Hochschulabsolventen erhalten mehrere Angebote und können sich dementsprechend den passendsten Arbeitgeber heraussuchen. Vielen Personalbeauftragten erschwert das die Arbeit. So kommt es des öfteren mal vor, dass ein Neuzugang bereits in der Probephase kündigt, weil er ein besseres Angebot erhalten hat.

Viele Unternehmen entwickeln deswegen eigene Strategien, um sich trotz mangelnder Fachkräfte am Leben zu halten. Hier die besten Möglichkeiten, den Mangel zu umgehen:

1) Sind keine Fachkräfte vorhanden, werden die vorhanden Mitarbeiter welche!

Klar kann man auch abwarten. Aber der Umsatz hält sich nicht von alleine. Die eigenen Mitarbeiter regelmäßig auf Fortbildungen zu schicken ist effektiver als Zeitarbeit oder schnelle Entlassungs- und Einstellungswellen. Mit einem umfangreichem Weiterbildungsprogramm im Angebot können sich die Mitarbeiter auch außerhalb ihrer ursprünglichen Bereiche Weiterqualifizieren. Wird es dann mal in einer Abteilung eng, kann man hin- und herschieben, ohne gleich kündigen oder neu einstellen zu müssen.

2) Fachkräfte aus dem Ausland / Flüchtlingswelle als Chance begreifen

7,2 Millionen registrierte Immigranten leben momentan in Deutschland. Durch die aktuelle politische Lage und den daraus resultierenden Flüchtlingsströmen werden es immer mehr. Viele von ihnen hatten bereits in ihrem Heimatland gute Jobs und sind bereit, sämtliche sprachlichen Barrieren zu überwinden, um einen ihrem Können entsprechenden Arbeitsplatz zu erhalten.

Auch der Flüchtlingsstrom sollte endlich als Chance für die deutsche Wirtschaft wahrgenommen werden: Im Gegensatz zu dem bei bildungsfernen Bürgern weiterverbreiteten Irrglauben kommen die meisten Flüchtlinge nämlich sehr gut ausgebildet und (oder zumindest) arbeitswillig nach Deutschland.

3) Rentner zeitlich begrenzt zurückholen

Viele der Menschen, die mit 65 in Rente gehen, möchten das eigentlich gar nicht. Rentner sind dankbar, wenn sie noch gebraucht werden und ideal, um zeitbezogene Projekte zu leiten oder Auftragsspitzen abzudecken. Der Versandhändler Otto wirbt verstärkt um ehemalige Fach- und Führungskräfte zwischen 65 und 75. Der Vorteil: die geringe Einarbeitungszeit. Ehemalige Mitarbeiter kennen die Kollegen, die Unternehmenskultur und die Betriebsabläufe. Seit 1999 hat sich die Zahl der Rentner mit einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit laut der Agentur für Arbeit verdoppelt.

Auch Minijobs sind bei Rentner beliebt: Aktuell verdienen ungefähr 750.000 Rentner daran.

4) Das Potential der Freelancer erkennen

Gerade der Mittelstand ist mit dieser Form der Beschäftigung weniger bis gar nicht vertraut. Tatsächlich ist es aber sehr praktisch, denn man Freelancer bei sich verändernden Bedingungen ganz einfach wieder loswerden. Die Wirtschaftswoche schreibt dazu folgendes: „Laut einer Umfrage des Personaldienstleister Hays und dem Marktanalyseunternehmen PAC unter 225 Fachbereichsleitern in mittleren und großen deutschen Unternehmen setzen nur zehn Prozent externe Mitarbeiter ein. 16 Prozent sagen sogar, dass der Einsatz von Freelancern ihnen zwar helfen könnte, ihre Probleme zu lösen – beauftragt habe man aber trotzdem keine.“ Tja, selber Schuld.