Die Wände sind feucht, die Luft riecht modrig. Wer schon einmal in einem alten Luftschutzbunker stand, erinnert sich vielleicht an das bedrückende Gefühl, das dort unten herrscht.

Immer mehr Städte entdecken die Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg und dem kalten Krieg als Tourismus- Attraktionen.
Auch in Stuttgart blieben einige der seit 1940 erbauten Luftschutzbauwerke erhalten, wie zB der Tiefbunker unter der Metzstraße. Diese 622m große Schutzeinrichtung bietet Platz für bis zu 600 Menschen und gehört heute der ENBW.

 Während des Baus 1941, Fertigstellung April 1942 Quelle:http://www.schutzbauten-stuttgart.de/portals/0/Bauwerke/bw%207/Baugrube.jpg

Metzstraße: Während des Baus 1941, Fertigstellung April 1942 Quelle:http://www.schutzbauten-stuttgart.de/portals/0/Bauwerke/bw%207/Baugrube.jpg

Insgesamt gab in Stuttgart mehr als 74.000 Schutzeinrichtungen. Hierzu zählen Hochbunker, Tiefbunker, Stollen und sogenannte Mehrzweckanlagen. Letztere sind Überbleibsel des kalten Krieges und können zB Tunnel oder Tiefgaragen sein, also Gebäude, die auch noch „zivil“ benutzt wurden.
Was viele nicht wissen: Auch der Marienplatz ist komplett unterkellert. Mit knapp 1.500m bietet der mit einem Notbrunnen ausgestattete Tiefbunker Schutz für 1.700 Menschen.

Das Gitter mitten auf dem Marienplatz markiert den Eingang.

 Was das wohl ist? Der Eingang zum Bunker! Quelle: http://www.schutzbauten-stuttgart.de/portals/0/Bauwerke/marie_thumb.jpg

Was das wohl ist? Der Eingang zum Bunker! Quelle: http://www.schutzbauten-stuttgart.de/portals/0/Bauwerke/marie_thumb.jpg

Bei vielen alten Häusern lassen sich Maßnahmen des „häuslichen Luftschutzes“ auch heute noch sehen: Luft- und Feuerfeste Ausstiegsschächte aus Metall schmücken nach wie vor Kellerfenster auf Bodenhöhe. Der in den Rahmen eingelassene Dichtungsgummi sollte auch vor dem Luftdruck der Bomben schützen.
Nach dem Luftschutzgesetz vom 26.Juni 1935 wurden die Bewohner dazu angehalten, ihre Keller in sichere Luftschutzräumen umzubauen und die hölzernen Dachbalken mit feuerhemmenden Mitteln zu behandeln.

Die Keller als Schutzräume zu benutzen war leider keine langfristige Lösung. Mit zunehmender Bombadierung und fast täglichen Angriffen war kein ausreichender Schutz mehr möglich, sodass ab Mitte 1943 vermehrt Pionierstollen gebaut wurden.

Obwohl man jeden Tag drauf herum läuft wissen die wenigsten Stuttgarter über die Räume unter der Erde Bescheid. Die Bunker sind gelebte Geschichte der beiden Weltkriege und ein Besuch lohnt sich allemal!

Der Verein „schutzbauten stuttgart“ organisiert regelmäßig Führungen und Ausstellungen in den noch betretbaren Luftschutzräumen. Weitere Informationen dazu hier!